Wasser als Lebensmittel wird in Deutschland besonders streng kontrolliert. Dennoch schadet es nicht, Vorsichtsmaßnahmen gegen Legionellen im Trinkwasser zu ergreifen. Diese Bakterien können nämlich schwere Erkrankungen auslösen – und entstehen oft unbemerkt in den eigenen Wasserleitungen.
Auf einen Blick: Wie wirken Legionellen und was kann man gegen sie tun?
Eine Infektion durch Legionellen entsteht beim Einatmen kontaminierten Wassernebels – beispielsweise beim Duschen. Die sogenannte Legionellose entsteht in zwei Verlaufsformen:
Pontiac-Fieber (mildere Verlaufsform): Äußert sich als grippeähnliche Erkrankung mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie trockenem Husten. Unbehandelt vergehen die Symptome üblicherweise innerhalb einer Woche.
Legionärskrankheit: Hierbei handelt es sich um eine schwere Lungenentzündung (Pneumonie), die potenziell tödlich verlaufen kann. Empfohlen wird daher eine schnelle ärztliche Behandlung mit Antibiotika.
So vermeiden Sie Legionellen: Stehendes Wasser ist das größte Risiko. Waren Sie längere Zeit nicht zu Hause, sollten Sie alle Wasserhähne aufdrehen und das Wasser mehrere Minuten laufen lassen.
So töten Sie Legionellen ab:
Stellen Sie Ihre Warmwasserspeicher auf mindestens 60 °C ein.
Im gesamten Leitungssystem sollte Ihr Warmwasser mindestens 55 °C warm sein.
Was sind Legionellen?
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlicherweise in Süßgewässern, feuchter Erde und Grundwasser vorkommen. In geringen Konzentrationen sind sie für gesunde Menschen in der Regel ungefährlich. Problematisch wird es, wenn sie sich in künstlichen Wassersystemen unkontrolliert vermehren.
Derzeit sind rund 48 Legionellen-Arten bekannt. Die für den Menschen bedeutsamste ist Legionella pneumophila, die für etwa 90 % aller Erkrankungsfälle verantwortlich ist.
Wie vermehren sich Legionellen im Wasser besonders gut?
Legionellen fühlen sich in Wassertemperaturen zwischen 25 °C und 55 °C besonders wohl. In diesem Bereich vermehren sie sich rasant – vor allem dann, wenn das Wasser längere Zeit steht. Typische Brutstätten sind:
- Schlecht gewartete oder selten genutzte Warmwasserleitungen
- Wasserleitungen mit Kalkablagerungen und Biofilm
- Warmwasserspeicher mit zu niedriger Temperatur
- Duschköpfe, Armaturen und Totstränge im Leitungsnetz
Legionellen vermehren sich intrazellulär in Amöben, die in Biofilmen auf Rohrleitungen leben. Kalkablagerungen in Wasserleitungen begünstigen die Bildung solcher Biofilme erheblich.
Viele Menschen fragen sich daher, wie man richtig lüften gegen Schimmel kann.
Wie werden Legionellen übertragen?
Legionellen im Trinkwasser sind nicht direkt beim Trinken gefährlich. Die Bakterien gelangen vielmehr über fein zerstäubtes Wasser – sogenannte Aerosole – in die Atemwege. Erst wenn diese Aerosole eingeatmet werden, kann es zu einer Infektion kommen.
Häufige Infektionsquellen im Haushalt sind:
Duschen (besonders bei seltenem Gebrauch)
Luftbefeuchter und Inhalatoren
Whirlpools und Sprudelbäder
Klimaanlagen
Wichtig: Legionellen sind nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Eine Infektion entsteht ausschließlich durch das Einatmen kontaminierten Wassernebels.
Wie äußert sich Legionellose?
Eine Infektion mit Legionellen wird als Legionellose bezeichnet. Sie tritt in zwei Verlaufsformen auf:
Pontiac-Fieber
Das Pontiac-Fieber ist die mildere Verlaufsform. Es äußert sich als grippeähnliche Erkrankung mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie trockenem Husten. Die Inkubationszeit beträgt wenige Stunden bis zwei Tage. Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb von zwei bis fünf Tagen ohne spezifische Behandlung.
Legionärskrankheit
Die Legionärskrankheit ist eine schwere Lungenentzündung (Pneumonie). Symptome treten zwei bis zehn Tage nach der Infektion auf und können sehr plötzlich einsetzen:
Hohes Fieber (über 40 °C), oft mit Schüttelfrost
Starker Husten, zunächst trocken, später mit Auswurf
Atemnot und Herzrasen
Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall
Unbehandelt verläuft die Legionärskrankheit in 15 bis 20 % der Fälle tödlich. Eine schnelle ärztliche Behandlung mit Antibiotika ist daher entscheidend.
Wer ist besonders gefährdet?
Grundsätzlich kann sich jeder Mensch infizieren. Besonders gefährdet sind jedoch ältere Menschen, Raucher, Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes.
Männer erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Frauen. Laut Robert-Koch-Institut erkrankten im Jahr 2024 in Deutschland 2.217 Personen an einer labordiagnostisch nachgewiesenen Legionellose.
Genau hier setzen moderne Lüftungssysteme an.
Legionellen vermeiden: Was Sie selbst tun können
Wenn Sie Legionellen vorbeugen möchten, können Sie einige gezielte Maßnahmen zur Prävention im Alltag ergreifen. Der wichtigste Faktor ist die richtige Wassertemperatur.
Die korrekte Wassertemperatur einstellen
Warmwasserspeicher sollten auf mindestens 60 °C eingestellt sein.
Im gesamten Leitungssystem sollte das Warmwasser mindestens 55 °C aufweisen.
Bei diesen Temperaturen werden Legionellen zuverlässig abgetötet.
Totstränge vermeiden
Stehendes Wasser ist das größte Risiko. Wenn Sie längere Zeit nicht zu Hause waren, sollten Sie alle Wasserhähne aufdrehen und das Wasser mehrere Minuten laufen lassen. Auch selten genutzte Wasserleitungen spülen Sie am besten regelmäßig durch.
Totstränge – also Leitungsabschnitte, durch die kein Wasser mehr fließt – sollten möglichst vermieden oder fachgerecht entfernt werden. Hier kann sich stehendes Wasser ansammeln und zur Brutstätte für Legionellen werden.
Wasserleitungen reinigen
Kalkablagerungen in Wasserleitungen begünstigen die Bildung von Biofilm und damit das Wachstum von Legionellen. Wenn Sie regelmäßig Ihre Leitungen sowie Duschköpfe und Armaturen reinigen, hilft das, das Risiko zu minimieren.
Trinkwasser anlassen nach Abwesenheit
Nach Urlauben oder längerer Abwesenheit gilt: Alle Wasserhähne – Kalt- und Warmwasser – für mehrere Minuten aufdrehen, bis das Wasser klar und frisch fließt. So werden angesammeltes Wasser und mögliche Keime ausgespült.
Trinkwasserprüfung: Wann ist ein Test sinnvoll?
Eine Trinkwasserprüfung auf Legionellen ist gesetzlich vorgeschrieben für Gebäude mit zentraler Warmwasserversorgung und mehr als einer Wohneinheit – also vor allem für Mehrfamilienhäuser. Für Einfamilienhäuser besteht keine gesetzliche Pflicht, ein freiwilliger Trinkwasser Test kann jedoch sinnvoll sein, wenn:
das Haus älter ist und die Leitungen länger nicht gewartet wurden,
Personen mit geschwächtem Immunsystem im Haushalt leben,
die Warmwassertemperatur regelmäßig unter 55 °C liegt,
Leitungen längere Zeit nicht genutzt wurden.
Was tun bei Legionellenbefall?
Wenn eine Trinkwasserprüfung einen erhöhten Legionellenbefall nachweist, sind sofortige Maßnahmen erforderlich. Mögliche Sanierungsverfahren sind:
Thermische Desinfektion: Das gesamte Leitungssystem wird auf mindestens 70 °C erhitzt und für mehrere Minuten gespült.
Chemische Desinfektion: Einsatz von Desinfektionsmitteln, die Legionellen abtöten.
UV-Bestrahlung: Einsatz von UV-Strahlern zur kontinuierlichen Desinfektion.
Bautechnische Maßnahmen: Entfernung von Totsträngen, Erneuerung veralteter Leitungsabschnitte.
Erfahrungsgemäß ist häufig eine Kombination mehrerer Verfahren notwendig, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen. Nach jeder Sanierung ist eine erneute Trinkwasserprüfung erforderlich, um den Erfolg der Maßnahmen zu bestätigen.
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FAQ – Häufige Fragen zu Legionellen im Trinkwasser
Sind Legionellen im Trinkwasser gefährlich?
Legionellen im Trinkwasser sind beim Trinken in der Regel nicht gefährlich, da die Magensäure die Bakterien abtötet. Gefährlich werden sie erst, wenn kontaminiertes Wasser als feiner Nebel eingeatmet wird – etwa beim Duschen oder Baden.
Wie erkenne ich, ob mein Trinkwasser mit Legionellen belastet ist?
Legionellen sind weder sicht- noch riechbar. Nur eine Trinkwasserprüfung durch ein akkreditiertes Labor kann Gewissheit geben.
Wie oft sollte eine Trinkwasserprüfung durchgeführt werden?
Für Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserversorgung schreibt die Trinkwasserverordnung eine Prüfung alle drei Jahre vor. Für Einfamilienhäuser empfiehlt sich eine freiwillige Prüfung, wenn Risikofaktoren vorliegen.
Was ist der gesetzliche Grenzwert für Legionellen?
Der Maßnahmewert gemäß Trinkwasserverordnung liegt bei 100 KBE (koloniebildende Einheit) pro 100 ml. Bei Überschreitung sind sofortige Maßnahmen erforderlich.
Kann ich Legionellen selbst bekämpfen?
Einfache Maßnahmen wie das regelmäßige Spülen der Rohre und Leitungen und die korrekte Einstellung der Warmwassertemperatur können das Risiko deutlich senken. Bei einem nachgewiesenen Befall ist jedoch ein Fachbetrieb hinzuzuziehen.